Warum reicht ein einziger Antrag nicht aus?
Hybride Studien – etwa zur Bewertung eines medikamentenfreisetzenden Stents oder eines Systems zur Verabreichung von Zelltherapien – stellen seit Jahren eine regulatorische Herausforderung dar, da sie gleichzeitig zwei unterschiedlichen Rechtsrahmen unterliegen: den Vorschriften für klinische Prüfungen von Arzneimitteln sowie den MDR-Vorgaben für klinische Prüfungen von Medizinprodukten. Die MHRA weist darauf hin, dass in solchen Fällen ein Antrag im Parallel Review-Verfahren eingereicht werden muss. Diese Bezeichnung ersetzt den früher verwendeten Begriff „combined trial of an investigational medicinal product and an investigational medical device“.
Die Behörde räumt offen ein, dass dieses Verfahren von Antragstellern bislang als komplex wahrgenommen wurde, und kündigt an, weiterhin Rückmeldungen zu sammeln, um den Prozess gemeinsam mit der Health Research Authority (HRA) und dem neuen Dienst Plan and Manage Health and Care Research weiter zu vereinfachen.
Bevor Sie mit der Antragstellung beginnen
Der erste Schritt besteht darin, festzustellen, ob die Studie tatsächlich gleichzeitig beide Definitionen erfüllt. Hierzu verweist die MHRA auf zwei separate Prüfpfade: die Leitlinien für klinische Prüfungen von Medizinprodukten (einschließlich der dazugehörigen Flussdiagramme) sowie die Leitlinien zur Frage, wann für ein Arzneimittel eine Clinical Trial Authorisation (CTA) erforderlich ist.
Erst wenn beide Voraussetzungen erfüllt sind, ist das Parallel Review-Verfahren anzuwenden. Bestehen Zweifel, empfiehlt die MHRA, sich vor der Vorbereitung der vollständigen Unterlagen unter CI-applications@mhra.gov.uk an die Behörde zu wenden.
Die fünf Schritte des Parallel Review-Verfahrens
- Ausfüllen des MHRA-Devices-Formulars im klassischen IRAS-System
Der Sponsor erstellt im „alten“ IRAS-System ein neues Projekt ausschließlich zur Generierung des erforderlichen Formulars. Dabei sind das Formular „Ionising Radiation and Devices“ (auch wenn die Studie keine ionisierende Strahlung betrifft) sowie das Formular der MHRA Devices Division auszuwählen. Die dabei erzeugte IRAS-Nummer dient ausschließlich technischen Zwecken. Die eigentliche Studienkennung bleibt die siebenstellige Nummer, die im neuen IRAS-System vergeben wird. - Vorabvalidierung (Pre-validation) der Unterlagen zum Medizinprodukt
Anschließend kontaktiert der Sponsor das Team MHRA Devices und fordert einen ShareFile-Link zur Übermittlung der Dokumentation an. Die E-Mail sollte den Betreff „Devices Pre-Validation – ShareFile request“ tragen. Dabei handelt es sich noch nicht um eine fachliche Bewertung, sondern ausschließlich um eine Prüfung der Vollständigkeit der eingereichten Unterlagen. - Einreichung der Unterlagen im neuen IRAS-System
Im nächsten Schritt werden das MHRA-Devices-Formular und die CTIMP-Dokumentation im neuen IRAS-System eingereicht. Die MHRA weist ausdrücklich auf einen häufigen Fehler hin: Dokumente, die sowohl von der Ethikkommission (REC) als auch von MHRA Devices benötigt werden – beispielsweise die Patienteninformation (Participant Information Sheet, PIS) –, müssen zweimal hochgeladen werden. Eine Version ist zusätzlich als „Miscellaneous: MHRA only“ einzureichen. Beide Dokumente müssen vollständig identisch sein. - Beantwortung von Requests for Further Information (RFI)
Anfragen der MHRA Medicines sowie der Ethikkommission (REC) werden wie üblich über IRAS versendet. Rückfragen der MHRA Devices erfolgen hingegen ausschließlich per E-Mail außerhalb des Systems. Die MHRA empfiehlt, auf Anfragen der MHRA Medicines erst dann zu antworten, wenn sämtliche RFIs der MHRA Devices abgeschlossen wurden und ausdrücklich mitgeteilt wurde, dass die Antwort eingereicht werden kann. - Erhalt der Entscheidung
Da für Arzneimittel und Medizinprodukte unterschiedliche gesetzliche Bewertungsfristen gelten, erhält der Sponsor zwei getrennte Entscheidungen und keine gemeinsame Genehmigung.
Kurzes Glossar
- MHRA Devices – das frühere Team Clinical Investigations, zuständig ausschließlich für die Bewertung des Medizinprodukt-Anteils eines Antrags.
- MHRA Medicines – das Team Clinical Trials, zuständig für den CTIMP-Teil des Antrags sowie die Zusammenarbeit mit der Ethikkommission.
- Pre-validation – informelle Prüfung der Vollständigkeit der Unterlagen für das Medizinprodukt vor der formellen Antragstellung; keine fachliche Bewertung.
- RFI (Request for Further Information) – formelle Aufforderung zur Ergänzung oder Klarstellung der Unterlagen, die von jedem MHRA-Team separat ausgestellt wird.
Fristen
Dieser Abschnitt der Leitlinien gehört zu den praxisrelevantesten. Besonders wichtig ist zu verstehen, dass für beide Verfahren unterschiedliche Zeitpläne gelten. Die Annahme eines einheitlichen Bewertungszeitraums ist eine der häufigsten Ursachen für Missverständnisse zwischen Sponsoren und der MHRA.
Die Validierung eines CTIMP-Antrags erfolgt innerhalb von sieben Kalendertagen nach Einreichung. Anschließend verfügt MHRA Medicines über 30 Tage zur Bewertung der CTIMP-Unterlagen. MHRA Devices hat dagegen 60 Kalendertage ab Eingang eines gültigen Antrags Zeit, entweder eine Entscheidung zu treffen oder ein RFI zum Medizinprodukt-Anteil zu versenden.
Im Parallel-Review-Verfahren stellt MHRA Medicines grundsätzlich immer ein RFI aus – selbst dann, wenn dies aus regulatorischer Sicht nicht zwingend erforderlich wäre. Ziel ist es, die Zeitpläne beider Bewertungsverfahren zu synchronisieren.
Erhält der Sponsor ein RFI für den CTIMP-Teil, stehen ihm in der Regel 60 Tage für die Beantwortung zur Verfügung. Anschließend bewertet MHRA Medicines die eingereichten Antworten innerhalb weiterer zehn Tage.
Im Standardfall mit einem RFI kann die endgültige Entscheidung somit etwa 100 Tage nach Einreichung des CTIMP-Antrags vorliegen. Die MHRA weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass sich dieser Zeitplan entsprechend verlängert, wenn die Antwort auf ein RFI verspätet eingereicht wird.
Änderungen während der Studie erfordern ebenfalls zwei separate Meldungen
Änderungen, die ausschließlich den Medizinprodukt-Anteil betreffen, werden als „Amendments“ bezeichnet und ausschließlich bei MHRA Devices eingereicht.
Änderungen, die den CTIMP-Teil oder ethische Aspekte betreffen, gelten als „Modifications“ und werden getrennt an MHRA Medicines sowie an die Ethikkommission (REC) übermittelt.
Betrifft eine Änderung beide Komponenten gleichzeitig, muss der Sponsor parallele Meldungen in beiden Verfahren einreichen. Dabei ist sicherzustellen, dass alle doppelt eingereichten Dokumente vollständig identisch sind – ebenso wie bereits beim ursprünglichen Antrag.
Über die Studie hinaus ist zu beachten, dass ein positives Ergebnis des Parallel Review die klinische Prüfung selbst genehmigt – das ist nicht gleichbedeutend mit dem Inverkehrbringen des Produkts auf dem britischen Markt. Nach Abschluss der Prüfungsphase müssen Hersteller weiterhin eine separate Registrierung von Medizinprodukten und IVD im Vereinigten Königreich durchlaufen, einschließlich der UKCA-Kennzeichnung sowie – für Hersteller außerhalb des Vereinigten Königreichs – der Benennung eines UK Responsible Person (UKRP).
Links zum Dokument :Parallel Review applications for an investigational medicinal product study and an investigational medical device study – MHRA, Juli 2026.